Meine Mitarbeit bei losung.de

Anfang der 1990er Jahre bekam ich auf einer Messe in Stuttgart eine “Losungsdiskette”. Die “Losungen” der Herrnhuter Brüdergemeine enthalten für jeden Tag zwei sich ergänzende Bibelworte und sind im deutschsprachigen Raum als Büchlein verbreitet. Bereits seit Ende der 1980er Jahre wurden diese Bibelworte, angestoßen durch den Eigenbedarf des Initiators Reinhold Willnat, von engagierten Christen auch auf elektronischem Weg verbreitet. Bald erstellte ich mir zunächst für den Eigenbedarf einen Bildschirmschoner mit den Losungsworten für das Betriebssystem OS/2. Ein Anzeigeprogramm für OS/2 folgte später.

In den 1990er Jahren lenkte ich die Arbeit an den “Freeware-Losungsprogrammen” in geordnete Bahnen: die Verteilung der Losungsdiskette, die Erstellung der verschiedenen Sprachversionen und die Darbietung im Internet unter der Domain losung.de.

Insbesondere für die Losungstexte in Fremdsprachen führte ich XML als Dateiformat ein, erstellte ein Anzeigeprogramm für das Betriebssystem OS/2, das Windows-Anzeigeprogramm w32los, ein Paket für den Windows-Bildschirmschoner von Andreas Claus, ein per CSS konfigierbares HTML-Paket sowie die per CGI online abrufbare Tageslosung mit Synopsis (vergleichender Anzeige in verschiedenen Sprachen) und Suchfunktion.

Mit w32los konnten Sie unter Windows die Losungstexte in sämtlichen verfügbaren Sprachen direkt aus dem Internet herunterladen, auf dem Bildschirm anzeigen, in eigene Texte übernehmen und automatisch als Signatur für E-Mails einsetzen lassen.

Um die Ablage der Losungstexte und Programmpakete zu vereinfachen (in den ersten Jahren erledigten der Initiator Reinhold Willnat bzw. ich alles noch per E-Mail), erstellte ich ein CGI-basiertes Verwaltungssystem (in der Programmiersprache Perl). In den Downloadseiten unter losung.de war dieses System in Aktion. Je nach Sprache und Betriebssystem des Besuchers wurden automatisch die passenden Losungstexte und Download-Pakete angezeigt.

Ein internes Verwaltungssystem erleichterte die Vorbereitung der Losungstexte in den verschiedenen Sprachen. Das von mir erstellte Windows-Programm LosEdit erlaubte die Bearbeitung der Texte mit Vorschau in der bearbeiteten Sprache oder Vergleichsansicht der deutschen Sprache.

Für die Vorbereitung der Losungstexte diente auch das “Projekt BibleMap”. Es definiert eine Datenstruktur für Programmierer, mit der die Abweichungen der Bibelstellen zwischen zwei Bibelausgaben beschrieben werden können (der Name wäre besser “BibleRefMap” – es geht nicht um Landkarten). Ein Windows-Programm erlaubt die komfortable Bearbeitung einer BibleMap.

Mitten in den Verhandlungen über einen neuen Lizenzvertrag gab es im Sommer 2007 im Team von losung.de Unklarheiten über die Zuständigkeiten. Wichtige Dinge blieben wochenlang liegen. Ich übernahm die Initiative und führte Gespräche mit der Herrnhuter Brüdergemeine und der Deutschen Bibelgesellschaft über den Fortgang von losung.de. Diese Rolle gab ich im November 2007 wieder ab. Im Dezember 2007 stellte es sich dann heraus, dass die Arbeit von losung.de nicht fortgesetzt werden konnte.

Um die Nutzer unseres Dienstes in den vielen Sprachen und Computersystemen nicht mit leeren Händen dastehen zu lassen, falls die Verhandlungen scheitern sollten, arbeitete ich ab Sommer 2007 parallel an dem intern seit Jahren so genannten “Plan B”. Daraus wurde das neue Projekt Bibel 2.0. Einige der Mitarbeiter von losung.de arbeiten an diesem Projekt mit, um das Wort Gottes weiterhin für Nutzer in vielen Sprachen und für verschiedene Computersysteme kostenlos anzubieten.

Lesen Sie weiter: Das Ende von losung.de (2007)

Helmut Steeb