Ausschnitt des Titelbilds "Martin Luther. Sein Leben und seine Zeit"

Buch: Martin Luther. Sein Leben und seine Zeit

500 Jahre Reformation – da kam mir das Buch in der bewährt gut ausgestatteten Stadtbücherei Sachsenheim gerade recht:

Veit-Jakobus Dieterich: Martin Luther. Sein Leben und seine Zeit, dtv 2008.

Als Luther-Laie fand ich das Buch mit seinen gut 200 Seiten sehr lesenswert!

Interessantes über Luther

  • Wann hat er gelebt: 10. November 1483 – 18. Februar 1546
  • Wo kam er her? “Ich bin eines Bauern Sohn” (Überschrift des 2. Kapitels)
  • Was machte er beruflich? Reformator? Schriftsteller? Bibelübersetzer? Pfarrer? Ja – von allem etwas, in der Hauptsache Professor der Theologie in Wittenberg: er bildete also Pfarrer aus.
  • Sein Haushalt umfasste bis zu 50 Personen: Ehepaar Luther, 5 Kinder, eine Tante, 6 verwaiste Nichten und Neffen, etwa 10 Hausangestellte und 10-20 Studenten und Tutoren im Dachgeschoss!
  • Luthers Ehefrau Katharina “überwachte” Haushalt, Stall, Landwirtschaft und Weinbau. “Herr Käthe” nannte er sie ironisch-anerkennend.
  • Luthers enger Mitarbeiter Melanchthon “tickte” ganz anders als Luther: er suchte Ausgleich und Verständigung, Luther beharrte brüsk auf seiner Meinung.
  • Im Wesentlichen formulierte Melanchthon das “Augsburger Bekenntnis“, das auf eine Einigung zwischen Altgläubigen und Protestanten zielte.
  • Luther schrieb dagegen die “Schmalkaldischen Artikel“, kompromisslos und radikal antipäpstlich.
  • Tatsächlich gab eine Tagung der Protestanten im Jahr 1537 Melanchthons Augsburger Bekenntnis den Vorzug vor Luthers Schmalkaldischen Artikeln. Luther war zuvor in Todesangst abgereist – er hatte Harnsteine.
  • Durchaus fragwürdig erscheint aus heutiger Sicht etwa seine Haltung gegenüber Bauern oder den Juden.

Was Luther von sich gab

  • Als Professor hielt Luther viele Vorlesungen über biblische Bücher – allein 10 Jahre lang über das 1. Buch Mose.
  • Luthers Sprüche bei Tisch sind erhalten, weil die anwesenden Studenten fleißig mitschrieben, was er von sich gab.
  • Über sein Leben und Wirken wissen wir mehr als über jede andere Person seiner Zeit oder vor ihm. Er selbst hinterließ viele Schriften, Briefe und Notizen, und “Nahezu jeder, der des Schreibens mächtig ist, so scheint es, schreibt von ihm” (S. 12). Für die meisten Phasen seines Lebens gibt es exakte Informationen bis auf die einzelnen Stunden.
  • Die Reformation verbreitete sich durch ein damals junges Medium: den Buchdruck. Und umgekehrt – der Buchdruck fand rasche Verbreitung durch die Reformation. Zwischen 1517 und seinem Tod soll Luther “fünf Mal so viel wie alle altgläubigen Autoren Deutschlands zusammengenommen” (S. 153) publiziert haben!

Bibelübersetzung

  • Luther übersetzte das Neue Testament in wenigen Wochen ins Deutsche
  • Das Alte Testament brauchte sehr viel länger und war “Teamarbeit”.
  • Es gab bereits vor Luther Übersetzungen der ganzen Bibel ins Deutsche – doch “Luthers Werk fegt die Konkurrenz kurzerhand vom Markt” (S. 157)!
  • Luther war ein Meister der Sprache. Vor ihm hieß es (Mentelinbibel 1466): “… an der Statt der Weide do satzt’ er mich. Er fuorte mich ob dem Wasser der Wiederbringung”. Daraus wurde bei Luther (1534): “Er weidet mich auf einer grünen Auen und führet mich zum frischen Wasser” (S. 158f.).
  • Im Spektrum der heutigen deutschen Bibelübersetzungen sah ich die Lutherbibel bislang der “wortgetreuen” Seite zugeordnet. Doch merkwürdig – Luther wollte gar nicht “wörtlich” übersetzen, sondern den Leuten “aufs Maul sehen, wie sie reden, und danach dolmetschen, so verstehen sie es denn” (S. 158)!

Luthers Entdeckung

Das Buch beschreibt, wie Luther die Entdeckung seines Lebens machte: die Rechtfertigung des Sünders durch den Glauben (Römerbrief Kapitel 1, 16-17):

darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht (Habakuk 2,4): »Der Gerechte wird aus Glauben leben.« (Lutherbibel 2017)

In diesen heutigen Worten der Lutherbibel wird vielleicht nicht ganz klar, welche Lebenswende diese Worte für Luther bedeuteten. Er suchte verzweifelt die Gerechtigkeit vor Gott und ging dafür sogar ins Kloster. Deshalb bedeutete diese Entdeckung ihm so viel: “aus Glauben leben”.

Wir können es nicht schaffen, es Gott recht zu machen. Wir dürfen vertrauen, dass ER uns recht macht – durch Jesus Christus.

Hier nochmal dieselben Bibelworte, den heutigen Leuten “aufs Maul” gesehen:

im Evangelium zeigt Gott uns seine Gerechtigkeit, eine Gerechtigkeit, die aus dem Vertrauen auf Gott kommt und zum Glauben hinführt, wie es in der Schrift steht: “Der Gerechte wird leben, weil er glaubt.” (Neue Evangelistische Übersetzung)

Durch sie [die rettende Botschaft] zeigt Gott, wie er ist: Er sorgt dafür, dass unsere Schuld gesühnt wird und wir mit ihm Gemeinschaft haben können. Dies geschieht, wenn wir uns allein auf das verlassen, was Gott für uns getan hat. So heißt es schon in der Heiligen Schrift: «Nur der wird Gottes Anerkennung finden und leben, der ihm vertraut.» (Hoffnung für Alle)

100 Jahre Reformation

  • … wurden 1617 in großem Stil gefeiert. Dies führte zu einer “Medienschlacht” und ein Jahr später zum Dreißigjährigen Krieg (1618-1648).
  • Damit sich dies nicht wiederholte, gab es im Jahr 1717 Zensurmaßnahmen.
  • 1817 setzte kein Geringerer als Goethe sich für gemäßigte Feiern ein, damit “jeder wohldenkende Katholik” mitfeiern könnte.
  • 1917 gab es im Europa des 1. Weltkriegs nichts zu feiern.
  • 2017 gibt es Luthersocken und Lutherbier.

Dietrich Bonhoeffer

… fand 1932 in der Predigt zum Reformationstag bemerkenswerte Worte (S. 201):

Lasst dem toten Luther endlich seine Ruhe und hört das Evangelium, lest seine Bibel, hört hier das Wort Gottes selbst … Lasst uns hingehen und nüchtern die ersten Werke tun. Gott helfe uns. Amen.

Der Autor

Veit-Jakobus Dieterich ist laut Buch evangelischer Theologe “im Großraum Stuttgart”.

Laut Internet ist er seit dem Sommersemester 2010 Professor für Evangelische Theologie / Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Unter anderem hat er Biografien verfasst über

  • „Franz von Assisi“,
  • „Martin Luther“,
  • „Die Reformatoren“ und
  • „Johann Amos Comenius“.

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