Foto: Morgensonne über Remseck

Radfahren 2016: Plattfuß und Gießen

Die Radsaison 2016 bot für mich zwei besondere Erlebnisse: einen Plattfuß bei Freudenstadt und die Heimfahrt von Gießen.

Freudenstadt

In den Sommerferien ging’s um 5:30 Uhr bei 8° los, das Wetter war bestens – Morgensonne bei Mühlacker:

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Vor Pforzheim:

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Um 8 Uhr in Bad Wildbad – schattige 11°!

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Um 8:30 Uhr Rast in Enzklösterle: juhu, Sonne!

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Also alles bestens soweit… Von der Einfahrt aus Enzklösterle auf die B294 rufe ich daheim an, fahre weiter Richtung Freudenstadt – bis mich ein “mords Schlag” aus den Gedanken reißt, und das Hinterrad komische Geräusche macht: Plattfuß!

Es muss ein Schotterstein auf der Straße gewesen sein. Was tun? Dumm, dass ich keinen Ersatzschlauch und kein Flickzeug dabei habe! Ok Jesus, was ist das jetzt? Na gut, die nächste Ortschaft vor Freudenstadt kommt bestimmt gleich, da muss ich wohl bei fremden Leuten klingeln versuchen. Ich gehe los. Ab da läuft einiges ungünstig…

Die nächste Ortschaft – ist Freudenstadt. Die 7km jogge ich am Straßenrand mit dem Fahrrad auf dem Seitenstreifen, die Radschuhe auf dem Gepäckträger. Dumm, dass ich gedankenlos an der Bushaltestelle vorbei bin und mich nachher der Omnibus überholt. Dumm, dass in der ersten Siedlung die Radsportler gerade auf einer Tour weg sind. Dafür sehe ich Freudenstadt von einer unbekannten Seite:

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Super, dass in der nächsten Siedlung der Radfahrer gerade von einer Tour heimgekommen ist und mich freundlicherweise mit seinem Auto zur offenen Tankstelle fährt. Dumm, dass das gekaufte Billigflickzeug nicht hält.

Also doch keine schöne Heimfahrt mit dem Fahrrad das Tal abwärts. Da steht der Plattfuß in Freudenstadt:

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Aber Gott sei Lob und Dank – mit dem Zug geht’s bequem heimwärts; ich schau mir das Tal aus dem Zug an. Dauert halt ziemlich lang, die Heimfahrt mit dem Zug!

Gießen

Am Samstag drauf ist Hochzeit in Gießen. Angelika stiftet mich noch am Samstag Vormittag an, ich solle dort übernachten und am Sonntag mit dem Fahrrad heimfahren. Als Ausgleich für den Plattfuß vergangene Woche.

Mich schaudert: jetzt noch eine Übernachtungsmöglichkeit finden? Wenig schlafen, dann mit dem Fahrrad heim? Wir sind schon fast am Wegfahren zur Hochzeit! Da wird’s mir ganz anders… Aber die Gelegenheit ist doch zu schön – ok, da muss ich durch! Hotel gebucht, Fahrrad eingeladen, eine grobe Landkarte von Frankfurt ausgedruckt, Tasche, Schuhe, Helm, Sportzeug, hoffentlich nichts vergessen…

Schöne Hochzeit gefeiert, Hotel gefunden, wenig geschlafen… Sonntag Morgen um 6 Uhr geht’s wie geplant los in Gießen auf der Frankfurter Straße – die Richtung stimmt also:

Frankfurter Straße in Gießen

Von Touren nach Heidelberg kenne ich die B3 im Rheintal. Passt ja, dass die durch Gießen geht – folge ich einfach der B3 Richtung Frankfurt, Darmstadt, Heidelberg. Notfalls kann ich unterwegs ja wieder auf den Zug umsteigen. Wie das wohl werden wird?

Mit dem Auto kommt mir die bergige Strecke von Frankfurt nach Gießen immer ziemlich weit vor – und jetzt bin ich mit dem Fahrrad da und fahre frühmorgens um 7 schon über die Autobahn – nicht zu fassen:

Wegweiser bei Butzbach

Die Straße ist gut zu fahren Richtung Bad Nauheim und Friedberg:

B3 Richtung Bad Nauheim
Langsam nähere ich mich Frankfurt und bin gespannt, wie ich den Weg finden werde. Leider habe ich doch keine brauchbare Karte – der Ausdruck von daheim ist zu grob, und ohne Brille schwer zu lesen…

Oh nein, hier geht’s nicht weiter:
B3 bei Bad-Vilbel Richtung Preungesheimer Dreieck A661

Die B3 löst sich auf in die A661, die Frankfurt im Norden und Osten umfährt!

Da bleibt nur eine Alternative: den Hang hinab und hier weiter – geht doch klar Richtung Sersheim (schluck)…

Feldweg beim Preungesheimer Dreieck

Auf der anderen Seite der Schnellstraße liegt Preungesheim. Bei der nächsten Bäckerei dort ist schon der Bär los. An einer Tankstelle kaufe ich eine Stadtkarte von Frankfurt. Immer Richtung Sachsenhausen finde ich schließlich den Main – um 9 Uhr stehe ich auf dem Frankfurter Brückle, der erste Teil ist geschafft wie erhofft!
Auf der Mainbrücke Blick auf Innenstadt Frankfurt

In Neu-Isenburg um 9:30 halte ich die erste große Rast:

Bahnhof Neu-Isenburg

Dann geht’s weiter über Darmstadt auf die Alte Bergstraße (11 Uhr):

Alte Bergstraße

Jetzt wird es richtig heiß! Hin und wieder halte ich an einem Brunnen und verteile das Wasser großzügig. Vor allem die Radlerhandschuhe bewähren sich dann auf den nächsten Kilometern, sie halten die erfrischende Nässe, die im Fahrtwind schön kühlt.

Kurz vor 13 Uhr fahre ich in Heidelberg übers Brückle – ich kann es nicht fassen!

Beim Heidelberger Brückle

Ich rufe daheim an und mache Mittagspause.

Die Strecke von Heidelberg an kenne ich schon – diesmal fahre ich sie aber nicht über Sinsheim, sondern “rückwärts” weiter über die B3 im Rheintal bis Upstadt-Weiher. Bei weit über 30°C erwarte ich immer sehnlichst den nächsten Brunnen – etwa auf der B3 auf einem Kreisverkehr am Ortseingang, oder in Oberderdingen vor dem Anstieg Richtung Sternenfels und Stromberg.

“Zum (Nachmittags-) Kaffee” am 16:30 bin ich daheim, nach 227 km!

Trotz wenig Schlaf, schlechten Karten, langer Strecke, großer Hitze und ungezählten Autos komme ich gut an – keine Probleme mit Kreislauf, Muskeln, Fahrrad… Was für ein großes Geschenk. Danke, lieber Vater im Himmel!